Abstrahlwinkel LED erklärt: 60°, 90° oder 120° – welcher passt zu Ihrer Halle oder Außenfläche?

Abstrahlwinkel LED erklärt: 60°, 90° oder 120° – welcher passt zu Ihrer Halle oder Außenfläche?

Was der Abstrahlwinkel einer LED-Leuchte bedeutet, wie er mit Montagehöhe und Leuchtenabstand zusammenhängt und welchen Winkel Sie für Hallen, Lager, Außenflächen und Sportstätten wählen – mit Rechentabelle und Beispi...

8 Min. Lesezeit Von den Lichtplanern bei ClightstoreAktualisiert 23.10.2026

Zwei LED-Hallenstrahler mit gleicher Leistung und gleichem Lichtstrom können eine Halle völlig unterschiedlich ausleuchten. Der Grund ist der Abstrahlwinkel: Er entscheidet, ob das Licht als heller, konzentrierter Lichtkegel auf den Boden fällt oder breit über Regale und Wände streut. Mit dem falschen Winkel erhalten Sie dunkle Gassen, Blendung oder verschwendetes Licht – und daran ändert auch mehr Leistung nichts. Dieser Ratgeber erklärt, was der Abstrahlwinkel wirklich bedeutet, wie er mit der Montagehöhe zusammenhängt und welchen Winkel Sie für Hallen, Lager, Außenflächen und Sportstätten wählen.

Das Wichtigste in Kürze
  • Der Abstrahlwinkel ist der Winkel, innerhalb dessen die Lichtstärke einer Leuchte mindestens 50 % ihres Maximums beträgt (FWHM). Außerhalb fällt weiterhin Licht, jedoch deutlich schwächer.
  • Gleicher Lichtstrom, schmalerer Winkel = mehr Lux direkt unter der Leuchte und kleinere beleuchtete Fläche. Breiterer Winkel = geringerer Spitzenwert, größere Fläche, bessere Überlappung zwischen den Leuchten.
  • Faustregel für LED-Hallenstrahler: bis ca. 6 m Montagehöhe 120°, 6–10 m 90°, über 10 m 60–90°. Schmale Gassen zwischen Hochregalen erfordern häufig schmalstrahlende oder asymmetrische Gassenoptiken.
  • Der beleuchtete Durchmesser am Boden beträgt etwa 2 × Höhe × tan(Abstrahlwinkel ÷ 2): Bei 8 m beleuchtet ein 90°-Winkel einen Kreis von rund 16 m.
  • Für Außenflächen und Sportplätze sind asymmetrische Optiken einem breiten symmetrischen Winkel meist überlegen: mehr Licht auf der Zielfläche, weniger Blendung und Streulicht.

Was der Abstrahlwinkel genau misst

Eine LED-Leuchte strahlt keinen gleichmäßigen Lichtkegel mit scharfer Kante ab. Die Lichtstärke (in Candela) ist geradeaus am höchsten und nimmt zu den Seiten allmählich ab. Der Abstrahlwinkel (auch Halbwertswinkel) ist der volle Winkel zwischen den beiden Richtungen, in denen die Lichtstärke auf 50 % des Maximums gesunken ist. Lichttechnische Normen bezeichnen dies als FWHM (Full Width at Half Maximum).

Manche Datenblätter nennen zusätzlich einen Feldwinkel: den Winkel, bei dem die Lichtstärke auf 10 % abfällt. Der Feldwinkel ist stets breiter als der Abstrahlwinkel und zeigt, wie weit nutzbares Streulicht reicht. Bei einem LED-Hallenstrahler mit 90° liegt der Feldwinkel häufig bei 110–130°.

Der Abstrahlwinkel entsteht durch die Optik vor den LEDs:

  • Linsen (PC oder PMMA) über jeder LED oder LED-Gruppe – üblich bei LED-Hallenstrahlern mit 60°, 90° und 120°. Präzise, kompakt und auch in schmalstrahlenden und asymmetrischen Ausführungen erhältlich.
  • Reflektoren (Aluminium) um das LED-Modul – klassisch bei UFO-Hallenstrahlern. Ein Reflektor bündelt das Licht und schirmt die Lichtquelle ab, was die Blendung reduziert.
  • Diffusoren (opale Abdeckungen) – eingesetzt in Panels und Wannenleuchten. Sie erzeugen eine sehr breite, weiche Lichtverteilung von etwa 110–120° mit geringer Blendung.

Warum gleicher Lichtstrom unterschiedliche Lux ergibt

Der Lumenwert gibt an, wie viel Licht eine Leuchte insgesamt abgibt. Der Abstrahlwinkel gibt an, auf welchen Raum dieses Licht verteilt wird. Bündeln Sie denselben Lichtstrom in einen schmaleren Kegel, steigt die Lichtstärke – und damit die Beleuchtungsstärke (Lux) am Boden –, während die beleuchtete Fläche kleiner wird.

Das vereinfachte Beispiel zeigt einen einzelnen LED-Hallenstrahler mit 15.000 lm bei 8 m Montagehöhe. Reflexionen an Wänden und die Überlappung mit benachbarten Leuchten sind nicht berücksichtigt; es veranschaulicht also nur das Prinzip:

AbstrahlwinkelBeleuchteter Durchmesser am BodenCa. Lux direkt unter der LeuchteTypische Wirkung
60°ca. 9 mca. 280 lxHeller Lichtkegel, dunkle Zonen zwischen den Leuchten, sofern diese nicht enger hängen
90°ca. 16 mca. 130 lxAusgewogen: gute Überlappung bei üblichem Leuchtenabstand
120°ca. 28 mca. 75 lxSehr gleichmäßig, in dieser Höhe jedoch viel Licht auf Wänden und Regalen

In einer realen Anlage überlappen sich die Leuchten, und Ziel ist eine mittlere Beleuchtungsstärke mit einer Mindestgleichmäßigkeit – nicht der Spitzenwert unter einer einzelnen Leuchte. Deshalb hängt der richtige Abstrahlwinkel von Montagehöhe und Leuchtenabstand gemeinsam ab – siehe Wie viel Lux braucht man? für die Sollwerte je Bereich und Lumen vs. Lumen pro Watt zur Effizienz.

Die beleuchtete Fläche berechnen

Für eine schnelle Abschätzung des Durchmessers, der innerhalb des Abstrahlwinkels beleuchtet wird:

Durchmesser ≈ 2 × Montagehöhe × tan(Abstrahlwinkel ÷ 2)

Montagehöhe60°90°120°
4 m4,6 m8 m13,9 m
6 m6,9 m12 m20,8 m
8 m9,2 m16 m27,7 m
10 m11,5 m20 m34,6 m
12 m13,9 m24 m41,6 m

Montagehöhe bedeutet hier den Abstand von der Leuchte zur Nutzebene (oft der Boden oder bei Werkbänken 0,75–0,85 m darüber), nicht die Dachhöhe.

LED-Hallenstrahler in einer Lagerhalle mit Palettenregalen
LED-Hallenstrahler in einer Lagerhalle: In dieser Höhe sorgt ein Abstrahlwinkel von 90° für eine gute Überlappung der Leuchten, ohne Licht an die Dachkonstruktion zu verschwenden.

Welcher Abstrahlwinkel für welche Anwendung?

AnwendungEmpfohlener AbstrahlwinkelBegründung
Werkstätten, niedrige Hallen bis ca. 6 m120°Breite Überlappung, gleichmäßiges Licht, wenig Schatten auf Werkbänken
Produktions- und Lagerhallen 6–10 m90°Beste Balance zwischen Gleichmäßigkeit und Licht am Boden
Hohe Hallen über 10 m60° oder 90°Bringt genügend Licht auf den Boden, ohne Verluste an Wänden und Dach
Schmale Gassen zwischen HochregalenSchmalstrahlend (30–60°) oder asymmetrische GassenoptikLicht auf Regalfronten und Gasse statt auf die Regaloberseite
Sporthallen60–90°, oft mit BlendschutzreflektorVertikales Licht für Ballsport, begrenzte Blendung für Spieler, die nach oben schauen
Betriebsgelände, Ladezonen, ParkplätzeAsymmetrische oder breitstrahlende (90–120°) LED-FluterGroße Fläche mit wenigen Masten, wenig Streulicht zur Nachbarschaft
SportplätzeSchmalstrahlende und asymmetrische FluteroptikenGroße Reichweite vom Mast bis zur Feldmitte bei kontrollierter Blendung
Büros und KlassenräumeDiffus (Panels, ca. 110–120°)Weiches, blendarmes Licht bei niedrigen Raumhöhen

Zur vollständigen Planung von Hallen und Lagern siehe unseren Ratgeber LED-Hallenbeleuchtung und den Ratgeber Lagerhallenbeleuchtung.

LED-Hallenstrahler mit 90°- und 120°-Optik – Philips- oder Sosen-Treiber, IP65:

Leuchtenabstand und Gleichmäßigkeit: Winkel und Raster gehören zusammen

Die Gleichmäßigkeit (U0) ist das Verhältnis zwischen der niedrigsten und der mittleren Beleuchtungsstärke. DIN EN 12464-1 fordert typischerweise U0 ≥ 0,4 in Lagerbereichen und ≥ 0,6 an Arbeitsplätzen. Ob Sie das erreichen, hängt vom Abstand der Leuchten im Verhältnis zur Montagehöhe ab – dem Abstands-Höhen-Verhältnis.

  • Bei schmalen Winkeln (60°) sollte der Leuchtenabstand etwa der Montagehöhe entsprechen oder darunter liegen. Größere Abstände erzeugen sichtbare dunkle Streifen.
  • Bei 90° ergibt ein Abstand vom etwa 1- bis 1,3-Fachen der Montagehöhe meist eine gute Gleichmäßigkeit.
  • Bei 120° ist ein Abstand bis etwa zum 1,5-Fachen der Montagehöhe möglich – sinnvoll in niedrigen Hallen, in größerer Höhe fällt jedoch viel Licht auf Wände und Regale.

Das sind Ausgangswerte. Regale, Zwischenböden, die Reflexionsgrade der Wände und die genaue Lichtverteilungskurve verändern das Ergebnis. Eine Lichtberechnung mit der echten photometrischen Datei (LDT oder IES) ist deshalb die einzig verlässliche Prüfung.

Abstrahlwinkel und Blendung

Ein breiter Winkel sendet mehr Licht unter flachen Winkeln aus – genau in die Richtungen, in die Menschen blicken, wenn sie nach oben oder durch eine Halle schauen. Das erhöht das Blendrisiko, ausgedrückt als UGR. Schmalere Linsen und vor allem Reflektoren begrenzen das Licht unter flachen Winkeln und machen das Arbeiten unter der Leuchte angenehmer. In Hallen mit Arbeitsplätzen, Staplerverkehr oder Ballsport ist die Optik daher ebenso wichtig wie der Lichtstrom. Mehr dazu unter UGR-Wert erklärt.

Außenflächen: symmetrisch oder asymmetrisch?

Ein LED-Fluter mit symmetrischem 120°-Winkel, der senkrecht nach unten strahlt, beleuchtet einen Kreis. An einer Fassade oder einem Mast montiert und geneigt, wirft er einen großen Teil seines Lichts in den Himmel oder zur Nachbarschaft. Asymmetrische Optiken lenken das Licht nach vorne und unten, sodass die Leuchte waagerecht bleiben kann: mehr Licht auf dem Gelände, weniger Blendung für Fahrer und weniger Lichtverschmutzung.

LED-Fluter an Masten und Fassade beleuchten nachts ein Betriebsgelände
LED-Fluter auf einem Betriebsgelände: Abstrahlwinkel und Neigung entscheiden, wie viel Licht auf den Boden fällt und wie viel in die Umgebung streut.

Für Betriebsgelände und Ladezonen siehe Außenbeleuchtung für Betriebsgelände; für Sportplätze Lichtverteilung auf Sportfeldern.

Häufige Fehler

  • Nur nach Leistung auswählen. Eine 200W-Leuchte mit falscher Optik leuchtet eine Halle schlechter aus als eine 150W-Leuchte mit der richtigen.
  • 120° in hohen Hallen. Bei 10–12 m landet ein großer Teil des Lichts auf den oberen Regalebenen und Wänden statt auf dem Boden.
  • 60° in niedrigen Hallen. Bei 4–5 m erzeugen schmale Winkel helle Flecken und dunkle Zonen, sofern Sie nicht deutlich mehr Leuchten einsetzen.
  • Regale ignorieren. In Schmalganglagern ist Licht auf der Regaloberseite verloren; setzen Sie Gassenoptiken ein und montieren Sie die Leuchten über den Gassen.
  • Keine photometrische Datei. Ohne LDT- oder IES-Daten ist der Abstrahlwinkel auf der Verpackung die einzige Information – und der sagt nichts über die Form der Lichtverteilungskurve aus.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet ein Abstrahlwinkel von 90°?

Innerhalb eines Kegels von 90° (45° zu jeder Seite der Mittelachse) beträgt die Lichtstärke mindestens die Hälfte des Maximums. Bei 8 m Höhe deckt dieser Kegel am Boden einen Kreis von rund 16 m ab. Außerhalb strahlt die Leuchte weiterhin Licht ab, jedoch mit geringerer Stärke.

Ist ein breiterer Abstrahlwinkel besser?

Nicht grundsätzlich. Ein breiterer Winkel sorgt für gleichmäßigeres Licht und erlaubt bei geringen Höhen größere Leuchtenabstände. In größerer Montagehöhe geht jedoch mehr Licht an Wänden und Regalen verloren, und das Blendrisiko steigt. Der richtige Winkel hängt von Höhe, Abstand und Beleuchtungsaufgabe ab.

Welcher Abstrahlwinkel für ein Lager mit 8 m Montagehöhe?

Für offene Lagerflächen in der Regel 90°. Für schmale Gassen zwischen Hochregalen sind schmalstrahlende oder asymmetrische Gassenoptiken über den Gassen besser geeignet.

Was ist der Unterschied zwischen Abstrahlwinkel und Feldwinkel?

Der Abstrahlwinkel wird bei 50 % der maximalen Lichtstärke gemessen, der Feldwinkel bei 10 %. Der Feldwinkel ist stets breiter und zeigt, wie weit nutzbares Streulicht reicht.

Wird eine Leuchte mit schmalerem Winkel heller?

Der gesamte Lichtstrom (Lumen) bleibt gleich, wird aber auf eine kleinere Fläche konzentriert, sodass die Beleuchtungsstärke direkt darunter höher ist. Insgesamt erhält die Halle nicht mehr Licht – es wird nur anders verteilt.

Wie berechne ich, wie viele Leuchten ich brauche?

Gehen Sie von der geforderten mittleren Beleuchtungsstärke und Gleichmäßigkeit, der Raumgröße und der Montagehöhe aus und verwenden Sie die photometrische Datei der gewählten Leuchte in einer Lichtberechnung, etwa mit DIALux. Wir erstellen diese Berechnungen kostenlos für Sie.

Unsicher, welcher Abstrahlwinkel zu Ihrer Halle oder Außenfläche passt?

Senden Sie uns die Abmessungen und die Montagehöhe. Wir erstellen eine kostenlose DIALux-Lichtplanung mit der passenden Optik, der Anzahl der Leuchten sowie den erwarteten Beleuchtungsstärken und der Gleichmäßigkeit. EU-weite Lieferung in 2–5 Werktagen, bis zu 5 Jahre Garantie.

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